Unsere Vision
Keimzelle der Nachhaltigkeit
Wir gehen neue Wege im Bewusstsein und im Handeln der Nachhaltigkeit.
Für uns erschöpft sich Nachhaltigkeit nicht darin, dass wir ein Haus mit Niedrigenergiestandard bewohnen, unseren Müll trennen, ohne Auto leben und einer ressourcenschonenden Lebensweise insgesamt den Vorzug geben. Es geht uns vor allem auch darum, dass wir der sozialen Nachhaltigkeit eine hohe Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen.
Wir sind überzeugt davon, dass es sich dort, wo Menschen zusammenhalten, besser lebt, ja sogar, dass der Zusammenhalt zwischen Menschen förderlich ist für die Gesundheit, die Lebenszufriedenheit und die Stabilität der Menschen.
In diesem Sinne wollen wir das eigene Leben und die eigene Umgebung sinnvoll, zukunftsfähig und mit Phantasie gestalten. Wir greifen in allen Phasen der Planung und Umsetzung des Projektes Ideen für Nachhaltigkeit auf und entwickeln sie weiter. Wir tun das mitten im urbanen Raum, und das unterscheidet uns radikal von den meisten ähnlichen Projekten wie etwa Ökodörfern u.ä., die vor allem im ländlichen Raum bestehen.
Für uns heißt Nachhaltigkeit neben baulichen Maßnahmen wie dem niedrigen Heizwärmebedarf des Gebäudes oder der Verwendung von Ökobeton auch Partizipation, Interkulturalität, Leben mit verschiedenen Generationen, das Konzept von Gemeinschaftseigentum, Solidaritätswohnungen, regionale/Grätzlnetzwerke, Stadt-Landverbindungen, Tauschsysteme und alternative Währungen und künstlerische oder kulturelle Interventionen.
Wir planen außerdem eine Einkaufsgemeinschaft für ein ökologisches Einkaufen. Einen Teil der Grünflächen wollen wir für Nutzgärten verwenden, wo wir in kleinem Rahmen Gemüse anbauen können. Der Entwurf des Gebäudes erlaubt die relativ einfache Nachrüstung von Photovoltaik, damit wir einen Teil des Energiebedarfes selbst decken können. Außerdem wird es einen Brunnen für einen Teil der Wasserversorgung geben.
Das WP Wien bietet einen Mobilitätspool zur gemeinsamen Nutzung/ Vehicle Sharing, einen großzügigen, sicheren Fahrradraum und ausgezeichnete Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Stellplätze für individuelle Autos gibt es nicht.
Individualität in Gemeinschaft
Wir leben und fördern freie, spontane und vielfältige Begegnungen.
Alle Religionen, Nationen, Berufe, Altersgruppen, Lebens- und Liebesformen sind im Wohnprojekt herzlich willkommen. An erster Stelle steht ein wertschätzender Umgang miteinander – innerhalb des Hauses, im Grätzl, im Bezirk…
Gemeinschaft leben heißt für uns zusammen erleben, die schönen Seiten genießen, sich neuen Erfahrungen aussetzen und lernen. Individualität bedeutet die eigenen Grenzen kennen, sie immer wieder neu erfahren und ausloten, dabei manchmal seine comfort-zone verlassen – denn nur dann setzt auch ein erlebendes Lernen ein und die Möglichkeit, eigene Seiten ganz neu zu entdecken.
Bei sich sein im Zusammensein mit anderen: das heißt Individualität in Gemeinschaft für uns. Eigene Grenzen so setzen, dass sie die anderen nicht nur respektieren, sondern gerne annehmen. So kann jede/r Einzelne Unterstützung erfahren und aufleben – denn nur wenn das ich-sein gewährleistet ist, kann die Gemeinschaft leben.
Dabei geht es um das Spannungsfeld zwischen freien Begegnungen und Kommunikation einerseits, und dem Respekt vor der Individualität jeder und jedes Einzelnen andererseits. Wir wünschen uns solidarische Lebensformen ohne Angst vor Verbindlichkeiten in einer Atmosphäre des genseitigen Vertrauens und voller Achtung der Grenzen anderer, sowohl innerhalb des Projekts und weit darüber hinaus – als Kristallationspunkt für soziale und ökologische Nachhaltigkeit.
Innerhalb der Wohngruppe schaffen wir durch ein System von Leitungskreis und Arbeitsgruppen eine Basis für die künftige Gemeinschaft, wir kochen und essen zusammen, verbringen gemeinsame Wochenenden…Im Grätzl und im Bezirk arbeiten wir mit NGOs und Betreuungseinrichtungen zusammen (vom Seniorentreff bis hin zum Integrationshaus), machen partizipative Stadtteilarbeit, öffnen unsere Gästewohnungen für internationale Kunst- und Kulturschaffende die ihre Arbeiten im Grätzl präsentieren.
Zur Entscheidungsfindung und Kommunikation wenden wir soziokratische Methoden und Grundsätze an, die stark auf den Prozess einer Konsentbildung abzielen. Dabei werden Widerstände sehr ernst genommen und so lange besprochen, bis eine für alle gute Lösung gefunden werden kann – bei Bedarf mit Unterstützung durch speziell in dieser Methodik ausgebildete ModeratorInnen. Zusätzlich haben einige BewohnerInnen entsprechende soziokratische Fortbildungen für sich selbst und andere interessierte künftige MitbewohnerInnen organisiert. Sie tragen damit zu einer laufenden Verbesserung der gemeinsamen Prozessabläufe bei – ein Grundstein für das künftige Zusammenleben innerhalb des Hauses und mit den BewohnerInnen des Grätzls und des Bezirks.
Kommunikative Architektur
Wir schaffen eine kommunikative Architektur, die unseren Wünschen Raum gibt und uns hilft, unsere Träume ans Licht zu befördern.
Unsere Architektur soll dafür viele Möglichkeiten zum Wohnen, Treffen, Arbeiten und Feiern bieten – und zwar für die BewohnerInnen des Hauses und für Gäste und BesucherInnen von außen im Rahmen unserer gemeinnützigen Arbeit – ob aus dem Grätzl (Stadtteilarbeit), aus anderen Bundesländern (regionale Vernetzung, Stadt/Land Netzwerke) oder aus dem Ausland, etwa im Rahmen unserer Kunst/Kulturkooperationen.
Die Erschließung aller Wohneinheiten und Gemeinschaftsräume mit nur einer Stiege und einem Lift, breiten Gängen und geschoßübergreifenden Lufträumen ermöglicht die Kommunikation im und zwischen den Geschoßen. Die Belichtung erfolgt über zwei breite Einschnitte in die tiefe Gebäudekubatur.
Das statische System bietet bei der Aufteilung der Geschoße in Einheiten und in der Grundrissgestaltung der einzelnen Wohneinheiten größtmögliche individuelle Freiheit. Besonderes Augenmerk legen wir neben der individuellen Planbarkeit auf die Herstellung gleichwertiger und nachhaltiger Wohnqualitäten.
Unsere Gemeinschaftsräume, von denen einige temporär und gezielt auch anderen NutzerInnen zur Verfügung stehen sollen, umfassen eine Dachterrasse, zwei Küchen, Kinderspielräume, Werkstätten, Ateliers, Gästeappartments, Bibliothek, Sauna, interkultureller Garten… Sie sind das Herz der Hausgemeinschaft und entlasten dabei auch den individuellen Wohnraum.
Die Erschließung des Hauses erfolgt vom Platz aus über ein großzügiges Foyer. Daran anschließend reihen sich gartenseitig verschiedene gewerbliche Nutzräume für die Hausgemeinschaft. Straßenseitig und von außen wie innen zugänglich sind kleinteilige Gewerbeflächen angeordnet, die wohnungsnahes Arbeiten für NutzerInnen von in- und außerhalb des Hauses erlauben. Die Erdgeschoßzone ist rundum großzügig verglast und stellt die Kontaktzone zum Nachbarhaus und zum Grätzl dar. Im natürlich belichteten Untergeschoß mit Zugang zum Garten befinden sich ein Mehrzwecksaal, Werkstätten und der Musikraum der Wohngruppe. Im Dachgeschoß ist die Ruhezone der Gemeinschaft, mit Blick über Schule und Park. Hier befinden sich Bibliothek, Gästeappartements und die Sauna des Hauses sowie ein Dachgarten, für den eine Ausstattung mit Hochbeeten vorgesehen ist.